+++ DFB-Präsident Grindel zu Besuch im Sebnitzer "Sparkassen Waldstadion" +++

von Gert Lotze (Kommentare: 0)

Einen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat es noch nie in unseren Landkreis verschlagen. Den "Neuen" Reinhard Grindel, der nach diversen Skandalen im DFB vor gut einem Jahr in dieses Amt gekommen war, kannte André Hahn bereits aus der Arbeit im Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Der CDU-Mann und er schenken sich dort nichts, waren auf einer Schweiz-Reise zusammen bei Gesprächen mit FIFA-Präsident Blatter und UEFA-Chef Platini, die beide wenig später zurücktreten mussten, respektieren sich ungeachtet grundsätzlicher politischer Differenzen aber einander doch so sehr, dass Reinhard Grindel sogar im Wahljahr eine Einladung des linken Bundestagsabgeordneten zu einem Besuch in der Sächsischen Schweiz annahm.

Wichtig war André Hahn seit einem Gespräch mit einem Vereinsvertreter in meiner Bürgersprechstunde der Vorort-Termin beim BSV 68 Sebnitz. Denn an vielerlei Stellen drückt dort nicht nur der Fußball-, sondern vor allem der Geld-Schuh. Ohne stabile Einnahmen steht auch die künftige Entwicklung zumindest in Frage. Die Sebnitzer Fußballenthusiasten nutzten die Gesprächsrunde im Vereinsheim, an der auch der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) teilnahm, um Klartext zu reden. Sie waren so stolz: Erstmal hatten sie im vorigen Jahr den Meistertitel in der Landesklasse Mitte errungen und hätten aufsteigen können. Das Team musste - wie im Übrigen auch die Nächstplatzierten - jedoch darauf verzichten, weil das finanziell nicht zu stemmen war. Es gibt zwar 61 Kleinsponsoren, aber die "Großen", insbesondere wichtige Unternehmen in der Region, bringen sich nicht ein. "Wir sind auf uns selbst angewiesen", so der sportliche Leiter Gert Lotze ziemlich frustriert.

Der DFB selbst kann direkt kein Geld beisteuern - es wäre auch nicht möglich, alle bundesweit existierenden Vereine gleichermaßen zu unterstützen, so Grindel. Es sei ein Irrweg, so betonte Grindel, mehr oder weniger hohe Spielerprämien bereits im Amateurfußball zu zahlen. Was geht, ist die Unterstützung bei Fußballcamps für Kinder und Jugendliche, spezielle Grenzlandförderung sowie Hilfen bei der Trainer- und Schiedsrichterausbildung. Auch André Hahn hält dem Umstand, dass bereits in der 6. oder 7. Liga Handgelder, Siegprämien und Ablösesummen für Spieler gezahlt werden, für eine absolute Fehlentwicklung. Dennoch will er den den unterklassigen Vereinen helfen und fragt, warum es angesichts der Unsummen, die an Gehältern und vor allem Ablöseprämien in der Bundesliga gezahlt werden, nicht möglich sein sollte, z.B. lediglich ein Prozent der oft millionenschweren Wechselgelder für Profi-Fußballer in einen Fonds zur Unterstützung der Amateurmannschaften abzuführen. Hier fehle es aber am politischen Willen beim DFB und vor allem innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Viel Lob gab es für das Sebnitzer Fußballareal und die Arbeit der Ehrenamtlichen. Dass der Kunstrasenplatz demnächst (auch mit Fördermitteln des Landes) wertete Grindel als Beleg dafür, dass auch die kleinen Vereine doch nicht allein gelassen werden und auch am gesamtwirtschaftlichen Aufschwungerneuert partizipieren.

Am Abend folgte dann in Pirna noch eine zweistündigen, kurzweilige Posiumsdiskussion mit Vertretern von Vereinen aus dem Landkreis, dem Kreisfußballverband, dem Kreissportbund und weiteren Interessierten, bei der allerlei Hintergründe des Fußballgeschäft offenbart wurden. "Fußball macht auch außerhalb der Bundesliga Spaß", so Grindel. Der große Fußball mit Stars und Events sei wichtig für den Kleinen und nicht zuletzt für die Nachwuchsgewinnung in den Vereinen. Der DFB-Chef stellte sich aber auch durchaus kritischen Fragen von André Hahn und den Gästen zum Stellenwert des Amateurfußballs innerhalb des DFB, den Finanzproblemen vieler kleinerer Vereine, dem Sanierungsstau im Sportstättenbereich und dem fehlenden Schiedsrichternachwuchs. Er musste aber auch Position beziehen zur Aufarbeitung des DFB-Skandals und den jüngsten, nicht hinnehmbaren Entgleisungen (Öffentliche Kriegserklärung an den DFB) bei einem Teil der Anhänger von Dynamo Dresden. Bei letzterem Thema waren sich Reinhard Grindel und André Hahn völlig einig: Jegliche Formen von Gewalt und auch Ankündigungen dazu haben in unseren Fußballstadien nichts verloren. Hier müssen die Vereine entschieden durchgreifen und Straftaten durch Polizei sowie Justiz unverzüglich geahndet werden.

(Anja Oehm)

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